Seit einigen Jahren bieten wir in Zusammenarbeit mit Appenzellerland Tourismus AI Siedwurstführungen in unserem Betrieb an und mit Freude bekommen wir immer wieder Besuch von diversen Gruppen, Schulklassen oder aufgrund des Ferienpasses.

Letzte Woche war es wieder einmal so weit, eine ganze Schulklasse besuchte unsere Metzgerei während ihres Klassenlagers in Appenzell. Dabei handelte es sich um die Klasse 7e der Sekundarschule Zollikofen BE mit dem Appenzeller Lehrer Pascal Knechtle, mit welchem ich einige Jahre im Hitzigen Appenzeller Chor singen durfte.

Nun denn, ich durfte die Schüler mit den Begleitpersonen, zu denen auch unsere Cousine Maurizia gehörte, bei uns in Empfang nehmen und freute mich, gleich zu Beginn viele Fragen beantworten zu dürfen. Die Schüler waren sehr interessiert und hatten gleichzeitig einige Vorurteile gegenüber einer Metzgerei, respektive hatten sie das Gefühl, dass man überall tote Tiere und Blut sehen wird. Diese „Angst“ konnte ich ihnen nehmen und so machten wir uns daran, die Überziehmäntel anzuziehen, ein Selfie fürs Klassenalbum zu machen und danach die Hände gründlich zu reinigen. Jetzt ging es in die Wursterei, um Bratwürste zu produzieren. Miteinander wurde ein feines Kalbsbrät hergestellt und die Bratwürste gleich auch gestossen. Beim Stossen waren die Schüler etwas zurückhaltend. Am Anfang fand sich kaum jemand, der es probieren wollte. Aber sobald es der Erste probiert hatte, kam einer nach dem anderen und machte seine eigenen Würste (sogar eine VegetarierinJ). Während des Brühvorgangs der Würste zeigte unser Lehrling Ueli, wie man den Schinken mit der Salzlake spritzt und erklärte den weiteren Vorgang bis zum fertigen Schinken. Unsere Ladenlehrtochter Marlen arbeitete gerade an den Zigeunerspiessli und bekam tatkräftige Unterstützung von den talentierten Schülern. Gleichzeitig salzte Be unseren Appenzeller Coppa ein, bei welchem wiederum ein Teil der Klasse mithalf. Wie es der Zufall wollte, wurde um diese Zeit ein kürzlich geschossener Hirsch angeliefert, was bei einigen Jugendlichen grosses Interesse auslöste. Sie sahen sich das Tier genau an, schossen Fotos auf ihren Handys und begutachteten mit fachmännischem Auge den Einschuss. Einige Schülerinnen hatten aber zur gleichen Zeit weitaus grösseres Interesse daran, unserer Mama Margrit beim Vorbereiten des Mittagessens zuzuschauen.

Mittlerweile konnten auch die Bratwürste aus dem Kessi genommen werden und so konnten wir diese frisch gebrüht degustieren. Es kamen sehr viele Rückmeldungen wie „eigentlich esse ich ja keine Bratwürste, aber diese sind so fein“ oder „so feine Würste hatte ich noch nie“, aber selbstgemacht ist halt immer am besten. Damit auch jeder eine selbstgemachte Wurst erhielt, stellten wir in der Garage Tische und Bänke auf und grillierten diese und veranstalteten so kurzerhand ein kleines Grillfest an diesem regnerischen Tag.

Aufgrund der vielen positiven Rückmeldungen der sehr engagierten Klasse hatte ich das Gefühl, dass es den jungen Damen und Herren bei uns sehr gut gefallen hat und alle einen Einblick in unser vielseitiges Handwerk erhielten. Die Vorurteile konnten mit Sicherheit aus dem Weg geräumt werden und wer weiss, vielleicht dürfen wir den/die einen oder anderen in einigen Jahren ebenfalls als junge Fleischfachmänner/-frauen in unserem Berufsverband begrüssen. Auf jeden Fall hat es uns sehr viel Freude und Spass bereitet.

Reto Fässler

die zufriedene Klasse 7e aus Zollikofen

Selbst hergestellte Bratwurst wird gegessen

Ein Schüler beim Wursten

Schüler stellt eine Bratwurst her

Am Coppa einsalzen

Schüler salzen Coppa ein

die selbstgemachten Bratwürste sind super

Schüler grilliert selbst hergestellte Bratwurst